Anja Heinrich | Mitglied des Landtages Brandenburg Direktmandat WK 37
 
















   
Interview
Drucken

Nur noch fünf Bücherbusse rollen durch Brandenburg

35.000 Medien 2014 ausgeliehen

Wie kommen Menschen auf dem Land an Bücher, wenn Bibliotheken schließen oder sie unerreichbar sind? Vor über zehn Jahren gab es in Brandenburg noch zwölf "rollende Bibliotheken", doch die Zahl ist drastisch gesunken. Während es in Elbe-Elster gleich zwei Busse gibt, unterliegen sie anderswo im "fiskalischen Verteilungskampf".

In Brandenburg gibt es immer weniger rollende Bibliotheken. Derzeit sind nur noch fünf Fahrbibliotheken in vier Landkreisen unterwegs, wie aus einer Antwort von Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Fragestellerin Anja Heinrich (CDU) nannte die Antwort "ernüchternd". Bücherbusse würden als Teil des kulturellen Zugangs unterschätzt.

Das sollte sich aus Sicht des Bibliotheksverbandes wieder ändern. "Es wäre positiv, wenn wieder mehr Bücherbusse eingesetzt würden", sagte die Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes in Brandenburg, Katja Richter, der Deutschen Presse-Agentur.

"Teil des Verteilungskampfes"

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Busse drastisch reduziert. 2001 gab es in Brandenburg noch zwölf Fahrbibliotheken, darunter auch in den Kreisen Prignitz, Uckermark und Havelland. Bibliotheken auf Rädern sind jetzt nur noch in den Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Oder-Spree und zwei in Elbe-Elster unterwegs. Durchschnittlich haben die Nutzer 2014 pro Bus rund 35.000 Medien entliehen.

"Der Rückgang der Fahrbibliotheken seit den 1990er Jahren hat unterschiedliche Gründe, die von notwendigen Haushaltskonsolidierungen über demographische Entwicklungen bis zu einem geänderten Nutzerverhalten reichen", erläuterte Ministeriumssprecher Stephan Breiding.

"Bibliotheken sind in den Kommunen Teil des fiskalischen Verteilungskampfes öffentlicher Haushalte, betrachtet als etwas Freiwilliges, Entbehrliches und somit schnell der Sanierung von Haushalten unterstellt", kritisierte die Abgeordnete Anja Heinrich. In ihrem Landkreis Elbe-Elster sehe dies anders aus. Dort gehöre der Bücherbus ganz selbstverständlich zum Alltag und zum Kulturangebot. "Über viele Jahre hat er sich bewährt und unterliegt nur selten kontroversen Haushaltsdebatten", so Heinrich.

Gibt es Alternativen zum Bus?

Laut Bibliotheksverband leisten Fahrbibliotheken einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Sprach- und Leseförderung sowie der Medienkompetenz. "Ihr Angebot an literarischen Veranstaltungen, ihre Zusammenarbeit mit Kindergärten und Horteinrichtungen sowie Schulen machen "fahrende Bibliotheken" zu Informationslieferanten", sagte die Vorsitzende Richter.

Auch im Ministerium werden sie positiv bewertet: "Besonders in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte sind die Medienmobile eine effiziente Lösung, um eine bibliothekarische Grundversorgung sicherzustellen und in zumutbarer Entfernung zum Wohnort Bibliotheksdienstleistungen anzubieten", sagte Sprecher Breiding. Angesichts der reduzierten Zahl sei es umso wichtiger, alternative Lösungen, wie etwa die Ausweitung von Online-Ausleihen, zu entwickeln und auszubauen.

RBB Brandenburg


   
Suche
     



Termine
News-Ticker
Presseschau
CDU Landesverband
Brandenburg
Ticker der
CDU Deutschlands
0.48 sec.