Anja Heinrich | Mitglied des Landtages Brandenburg Direktmandat WK 37
 
















   
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01.08.2012 - Übersicht | Drucken

Die Tröbitzer agieren in "nationalem Interesse"

Erinnerung an "Verlorenen Transport" soll in Grundschule wach bleiben / Lob aus Bergen-Belsen und Unterstützung von Abgeordneter

Tröbitz Bewegung ist in die Bemühungen der Gemeinde Tröbitz um den Erhalt ihrer Ausstellung zur jüdischen Geschichte und die Erinnerung an die Opfer des "Verlorenen Transportes" gekommen. Als Ort einer repräsentativen Dauerausstellung ist jetzt das Dachgeschoss der evangelischen Grundschule auserkoren worden. Das Diakonische Werk Elbe-Elster und das Amt Elsterland haben einen Förderantrag über 326 050 Euro an das Land gestellt. Unterstützung erhalten sie von der CDU-Landtagsabgeordneten Anja Heinrich.



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Im Dachgeschoss der evangelischen Grundschule in Tröbitz schauen sich die Landtagsabgeordnete Anja Heinrich, Bürgermeister Holger Gantke und Amtsdirektor Andreas Dommaschk (v.l.) die Pläne für eine neue Ausstellungspräsentation an. Fotos: Gabi Böttcher

Die Abgeordnete unterstreicht in einem Brief an Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos), dass es allein der gelebten Erinnerungskultur in der Gemeinde und Überlebenden zu verdanken ist, dass der "Verlorene Transport" nicht vergessen worden ist und in jedem Jahr Würdigung erfährt. "Waren es in den vergangenen Jahren die Besuche und Erzählungen der ehemaligen Häftlinge und Augenzeugen, so bedarf es in Zukunft einer sichtbaren und eindrücklichen Dokumentation", so Anja Heinrich. Und genau um eine solche eindrückliche Dokumentation ringt die Gemeinde schon seit Jahren und kann die Mittel dafür nicht aufbringen.

Die bisherige Stätte einer kleinen Ausstellung im ehemaligen Gebäude der Neuapostolischen Kirche – im Stile eines Typen-Baus aus DDR-Zeiten – bereitet der Gemeinde schon lange Kopfzerbrechen. Zuletzt war es der besorgte Blick zu den Schneelasten, der zum Einbrechen des Daches hätte führen können.

Eine Sanierung des Gebäudes ist seit Jahren in der Diskussion. Im Mai 2009 hatte die damalige Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) Unterstützung bei der Sanierung des Flachbaus zugesagt. Es blieb alles beim Alten. Jetzt ist eine andere Lösungsvariante auf dem Tisch, die breite Zustimmung erfährt. Gemeindevertreter und Pfarrer Stephan Branig hatte die Idee. "Es passt zu Schülern und zu Schule und auch ein Kontakt zu anderen Schulen wäre weitaus unkomplizierter möglich", so der Pfarrer. Das Dachgeschoss der evangelischen Grundschule Tröbitz böte nicht nur etwa doppelt so viel Platz für eine Dauerausstellung, Bürgermeister Holger Gantke (CDU) benennt einen noch wichtigeren Vorteil: "Die Ausstellung hat Zukunft, wenn sie von Kindern und Jugendlichen als Projekt verstanden wird."

Amtsdirektor Andreas Dommaschk betrachtet den Herbst kommenden Jahres als möglichen Fertigstellungstermin für das Dachgeschoss – vorausgesetzt, die Resonanz auf den Förderantrag fällt positiv aus. Holger Gantke hat schon Vitrinen mit wertvollen Dokumenten vor Augen, stellt sich Möglichkeiten der Filmpräsentation und eine zeitgemäß gestaltete Darbietung der Informationen vor. "Ich denke auch an das Lebenswerk von Erika Arlt", sagt der Bürgermeister und meint damit das jahrzehntelange Forschen der Tröbitzerin zur Geschichte des "Verlorenen Transportes" und die Hilfe für Hinterbliebene, das Schicksal ihrer Lieben aufzuklären. Anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen im Jahr 2010 waren der dortigen Gedenkstätte eine Vielzahl der von Erika Arlt zusammengetragenen Dokumente übergeben worden. "Vielleicht können wir dann einige davon auch wieder hier bei uns zeigen", so Gantke.

Für Anja Heinrich, die sich auch als Kreistagsabgeordnete, Stadtverordnete in Elsterwerda und Vorsitzende des dortigen Heimatvereins für einen nachhaltigen Umgang mit der Geschichte einsetzt, betont: "Die Gemeinde Tröbitz ist in der komfortablen Lage, auf eine engagierte Kirchengemeinde und eine kompetente und couragierte Arbeit in der evangelischen Grundschule zurückgreifen zu können." In der Schule führe man Kinder und Jugendliche seit Jahren an eines der sensibelsten Themen der Regionalgeschichte heran und bewahre so das Andenken an Menschen, denen unvorstellbares Leid zuteilwurde.

Auf ein positives Echo stoßen die Tröbitzer Bemühungen bei Dr. Thomas Rahe, wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Er ordnet sie als Bemühungen "von nationalem Interesse" ein. Wenn der Zug aus dem KZ Bergen-Belsen auch durch Zufall nach Tröbitz gekommen sei, so sei er Teil der Geschichte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Die Weltgeschichte sei so in einen Ort gekommen, in dem es nie eine jüdische Gemeinde gegeben habe. Hinzu komme hier eine ganz außergewöhnliche Mixtur dreier Erinnerungskulturen – der offiziellen staatlichen, zu DDR-Zeiten eher an den Rand Gedrängten, des bürgerschaftlichen Engagements durch Erika Arlt und der jüdischen. Für Betroffene sei es zudem sehr wichtig, bei der Suche nach den Gräbern ihrer Angehörigen eine institutionelle Grundlage, einen Ort als Erinnerungsstätte zu finden. In Tröbitz möchte man diese Aufgabe leben.

Zum Thema:
Ein Zug mit jüdischen Häftlingen aus zwölf Nationen war am 23. April 1945 nach einer Irrfahrt vom KZ Bergen-Belsen zum KZ Theresienstadt in Tröbitz zum Stehen gekommen. Die Insassen entgingen der geplanten Tötung in Theresienstadt. Die vorrückende Front hatte zu einer 14-tägigen Irrfahrt des Zuges geführt, Stopps gab es zuvor unter anderem in Langennaundorf und Schipkau. 2500 kranke und ausgehungerte Menschen wurden nach der Befreiung durch sowjetische Truppen von Tröbitzern versorgt und gepflegt beziehungsweise 560 von ihnen in ein Notlazarett gebracht. Zuvor waren Hunderte im Zug an Hunger, Typhus und Entkräftung gestorben. Sie wurden in Schipkau, Langennaundorf, Wildgrube und Tröbitz begraben.


   
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