Anja Heinrich | Mitglied des Landtages Brandenburg Direktmandat WK 37
 















   
Presse
16.03.2017, 00:00 Uhr | Übersicht | Drucken
Ludwig sieht Gauland noch in der CDU Gemeinsames Interview in rechtem Blatt

Nein, in die AfD will Saskia Ludwig nicht. Was auch immer die politischen Gegner von links der CDU-Landespolitikerin vorwerfen. Aber Wahlkampfhilfe von rechts gibt es schon, von AfD-Landeschef Alexander Gauland selbst - mit einem gemeinsamen Interview in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Genau jenes Rechtsaußenblatt, in dem sie 2012 einen Namensbeitrag veröffentlichte und darüber als CDU-Landes- und Fraktionschefin stürzte. Nun kündigt dieses Blatt ein Streitgespräch zwischen Ludwig und Gauland an - das aber keines ist, sondern eher ein freundlicher Austausch über das Konservative und was es in der CDU heute noch ist.


Bemerkenswert daran ist auch: Beide wollen in den Bundestag. Beide wohnen in Potsdam. Doch Gauland tritt in Frankfurt (Oder) zur Bundestagswahl an, Ludwig in Potsdam und Mittelmark, wo sie auch CDU-Kreisparteichefin ist. Nach den aktuellen Umfragen liegt in diesem Wahlkreis die SPD vorn. In die Quere kommen sich Ludwig und Gauland nicht.
Ludwig wirft Gauland in dem Interview Fahnenflucht vor, als er die CDU verließ, um die AfD zu gründen - der „bequemere Weg“, wie sie findet. Gerade so, als hätte Gauland in der CDU von 2017 noch etwas zu suchen. „Wären Sie und andere in der Union geblieben, lieber Herr Gauland, wären die Konservativen dort schon heute sehr viel weiter“, sagt Ludwig. Durch die AfD hätten Parteifunktionäre in der CDU den Meinungsspielraum der Konservativen scheinbar eingegrenzt. Gaulands Weggang sei ein „Bärendienst für all jene“ gewesen, mit denen er zuvor etwa im Berliner Kreis versucht habe, „für unsere Ideale zu kämpfen“. Ludwig gibt nun die Jeanne dArc der Konservativen in der CDU, sagt: „Ich stehe beharrlich für meine CDU - die nicht nur die Partei Merkels ist. Meine Kritik richtet sich hauptsächlich an die Abgeordneten im Bundestag, die Merkels Kurs folgen, obwohl sie ihn nicht gutheißen, statt ihn zu korrigieren.“ Dann geißelt sie die „Brandenburger Presse“, weil nicht notiert wird, wie Ludwig sich engagiert, die „offensichtlichsten Missstände in unserem Land zu beheben“, die kleinen Dinge.
Aber die AfD? Für Ludwig ein Sammelbecken von Konservativen, Glücksrittern und Radikalen, keine Alternative, wegen der Selbstdarsteller wie dem Ex- FDP- Mann Marcus Pretzell, Gatte von AfD-Chefin Frauke Petry, eher „klassischer Karrierist“ denn Konservativer. Für die Umstände ihres Rücktritts 2012 macht sie ihren Fraktionskollegen Sven Petke verantwortlich, für Ludwig der Pretzell der Brandenburger CDU. Dann spricht sie vom CDU-Establishment, dem Einknicken vor den 68ern. Sie dagegen braucht keine „strategische Perspektive, sondern nur die Meinungen der Bürger in Werder, Ludwigsfelde oder dem kleinen Kemnitz“. Und dann die SPD in Brandenburg: Sahra Wagenknecht, Linksfraktionschefin im Bundestag, „ist konservativer als die gesamte Sozialdemokratie in der Mark“. Was kommt, wenn die Pläne der SPD für ein Wahlrecht für Flüchtlinge wahr werden? Ludwig nennt sie „Neuankömmlinge“. Alles „nur eine Frage der Zeit ist, bis auch bei uns Extremismus und Terrorismus vermehrt an der Tagesordnung sind“. Gauland wirft sie vor, die AfD würde eine rot-rot-grüne Machtübernahme im Bund befördern und damit eine nicht mehr rückgängig zu machende multikulturelle Einwanderungsgesellschaft. Gauland und Ludwig, ein Ziel: Die CDU konservativer machen.

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